Dachausbau 3/4 | Gesundes Raumklima beim Dachausbau

Feuchtigkeitsausgleich durch Lehm und Naturfaser

Ein Dachgeschoss in neuen Wohnraum zu verwandeln, ist ein fantastisches Projekt. Die Schrägen strahlen Geborgenheit aus und das Licht fällt ungestört durch die hoch gelegenen Fenster. Damit dieser neu gewonnene Raum jedoch wirklich zu einer behaglichen Wohlfühloase wird, muss die Raumluft perfekt ausbalanciert sein.

In unserer Artikelserie rund um deinen intelligenten Dachausbau haben wir uns bereits dem Platzgewinn und dem Hitzeschutz im Sommer gewidmet. Heute blicken wir auf das unsichtbare, aber wohl wichtigste Fundament deiner Wohngesundheit: das Feuchtigkeitsmanagement. Als Experten für ökologischen Hausbau und intelligente Gebäudeenergie zeigen wir dir, wie Lehm und Naturfaser den Feuchtigkeitshaushalt in deinem Dachgeschoss völlig autark regulieren. Anstelle von dichten Plastikfolien setzen wir dabei konsequent auf diffusionsoffene Bauteilaufbauten.

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Die physikalische Herausforderung der Gebäudehülle

Ein fachgerecht ausgebautes Dach muss heute extrem hohe energetische Standards erfüllen. Das aktuelle Gebäudeenergiegesetz schreibt zwingend vor, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche eines Gebäudes dauerhaft luftundurchlässig abgedichtet sein muss. Diese Winddichtheit ist elementar, um Wärmeverluste zu stoppen und Bauschäden durch eindringendes Kondenswasser in die Konstruktion zu verhindern. 

Wir lösen diesen physikalischen Anspruch jedoch nicht durch absperrende Folien, sondern durch intelligente und diffusionsoffene Schichten. Eine vierköpfige Familie gibt täglich bis zu zehn Liter Wasser an die Raumluft ab. Wir schwitzen, wir kochen und wir duschen. Kann diese feuchte Luft durch eine hermetisch abgeriegelte Bauweise nicht mehr entweichen, steigt die relative Luftfeuchtigkeit im Raum rapide an. Die Folgen kennt fast jeder: stickige Luft, beschlagene Fensterscheiben und im schlimmsten Fall die Bildung von gesundheitsgefährdenden Schimmelpilzen in kühlen Raumecken.

Smarte Lüftungskonzepte leisten hier unverzichtbare Hilfe. Den wahren Wohnkomfort und ein fühlbar gesundes Klima erreichst du jedoch erst, wenn die eingesetzten Baustoffe selbst aktiv am Feuchtigkeitsmanagement teilnehmen.

Die unsichtbare Klimaregulation: Sorption

In der Gebäudeenergieplanung sprechen wir bei diesem Vorgang von der sogenannten Sorptionsfähigkeit. Das ist die physikalische Eigenschaft eines Materials, Wasserdampf aus der Raumluft aufzunehmen, sicher zwischenzuspeichern und bei sinkender Luftfeuchtigkeit wieder an den Raum abzugeben. Dieser Vorgang geschieht völlig passiv, lautlos und vor allem ohne jeglichen Energieaufwand.

Naturbaustoffe wie Lehm und Naturfaser wie Hanf oder Holz sind absolute Hochleistungspuffer für Feuchtigkeit. Sie wirken wie ein intelligenter Schwamm. Strömt nach dem morgendlichen Duschen warme und feuchte Luft in dein Dachgeschoss, nehmen die massiven Lehmflächen und Naturfaserflächen diese Feuchtigkeitsspitzen rasant auf. Lüftest du später am Tag oder wird die Heizungsluft trockener, geben die Materialien die Feuchtigkeit sanft wieder an die Raumluft ab.

Das Resultat ist eine erstaunlich konstante relative Luftfeuchtigkeit, die sich fast durchgehend im idealen und wohngesunden Bereich einpendelt. Deine Schleimhäute trocknen im Winter nicht aus und im Sommer bleibt dir ein schwüles Tropenklima erspart.

Lehmplatten und Lehmputz im ökologischen Hausbau

Lehm wird seit Jahrtausenden als verlässlicher Baustoff geschätzt und beweist heute im ökologischen Hausbau seine Genialität. Bei der ErdRaum GmbH setzen wir im Innenausbau unter der Dachschräge auf die verschiedensten Lösungen von der Beplankung mit Lehmbauplatten/Lehmklimaelementen über die Beplankung mit Holzfaserplatten die anschließend verputzt werden (leichter Aufbau) bis hin zum direkten verputzen der Gefache mit Schilfrohrmatten als Putzträger.

Die bauphysikalischen Vorgaben für diese Materialien belegen ihre herausragenden Eigenschaften wissenschaftlich. Lehmplatten setzen sich aus den Naturmaterialien Lehm, Biofasern und Stärke zusammen. Lehmoberflächen sorgen im Gebäudeinneren für ein hervorragendes Raumklima, indem sie Feuchte aus dem Raum aufnehmen und zeitverzögert wieder abgeben können sowie zusätzlich Schadstoffe binden. Die Fähigkeit zur Feuchtigkeitsaufnahme wird in sogenannten Wasserdampfadsorptionsklassen gemessen. Das bautechnische Regelwerk besagt, dass hochwertige Lehmputze mindestens die Anforderungen der Klasse WS I erfüllen sollten. Die besten Lehmbaustoffe am Markt erreichen jedoch mühelos die höchste Klasse WS III.

Um dir die physikalische Leistungsfähigkeit zu verdeutlichen, blicken wir auf die reinen Zahlen. Ein Lehmputz der Klasse WS III nimmt nach zwölf Stunden extrem viel Feuchtigkeit auf. Rechnest du diese Werte auf die gesamte Wandfläche und Deckenfläche deines Daches hoch, erkennst du leicht, welch gigantische Mengen an Wasser allein durch die obersten Zentimeter deiner Wände gepuffert werden können.

Naturfaser als diffusionsoffener Partner

Hinter der sichtbaren Lehmoberfläche arbeitet die Naturfaserdämmung als perfekter bauphysikalischer Partner. Im Gegensatz zu konventionellen Industriedämmstoffen wie Polystyrol oder Mineralwolle sind Naturfasern hochgradig diffusionsoffen. Der Wasserdampf wird nicht blockiert, sondern kann ungehindert wandern.

Zudem besitzen Naturfasern eine exzellente kapillare Leitfähigkeit. Sollte es in einer extremen winterlichen Kälteperiode an den äußeren Schichten der Dachkonstruktion tatsächlich zu einem leichten Tauwasserausfall kommen, saugt eine Naturfaser diese Feuchtigkeit auf. Über ihre natürlichen Fasern transportiert sie das Wasser aktiv zurück in wärmere Bauteilschichten, wo es verdunsten kann. Dieser stetige kapillare Rücktransport hält deinen Dachstuhl dauerhaft trocken und schützt die Konstruktion vor Fäulnis.

Präzise Handwerkskunst für einen sicheren Schichtenaufbau

Die bauphysikalischen Meisterleistungen von Lehm und Naturfasern können sich nur entfalten, wenn der Aufbau handwerklich präzise konstruiert wird. Als erfahrene Zimmerer wissen wir genau, dass ein fehlerhafter Schichtenaufbau die besten Materialien wirkungslos macht.

Der integrale Aufbau deines neuen Daches erfolgt in detailliert abgestimmten Schritten:

  • Naturfaserdämmung: Wir füllen die Hohlräume zwischen den hölzernen Dachsparren fugenfrei mit flexiblen Naturfaserdämmmatten. Diese klemmen sich formschlüssig ein und dämmen exzellent.

  • Feuchteadaptive Membranen: Wir verzichten konsequent auf blockierende Plastikfolien. Wir verbauen intelligente Membranen, die den Feuchtigkeitsfluss aktiv steuern und das Dach im Sommer sogar nach innen austrocknen lassen.

  • Stabile Unterkonstruktion: Eine Lattung aus massivem Konstruktionsholz bildet die Trägerebene für den Ausbau und schafft Platz für die Installationstechnik.

  • Lehmbauplatten und Putz: Auf die Lattung schrauben wir die schweren Lehmplatten, die wir abschließend mit einem feinen Lehmputzmörtel überziehen. Um Risse zu verhindern, arbeiten wir mit speziellen Gewebeeinlagen.

Kreislaufgerecht und sortenrein bauen

Neben dem perfekten Wohnklima gibt es noch einen weiteren Grund für unseren bewussten Verzicht auf Plastikfolien und Schäume. Wir denken in echten Kreisläufen. Lehm und unbehandeltes Holz sind biologische Materialien. Werden sie mechanisch verschraubt und nicht mit synthetischen Klebern untrennbar verbunden, können sie am Ende ihrer extrem langen Lebensdauer problemlos in den Naturkreislauf zurückkehren. Sie lassen sich wiederverwenden oder sogar kompostieren. Mit diesen Materialien baust du also nicht nur wohngesund für dich, sondern auch absolut verantwortungsvoll für kommende Generationen.

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„Wir formen unsere Gebäude, und danach formen unsere Gebäude uns.“
Winston Churchill